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Autragsverfahren im Nasslackbereich

Es gibt eine ganze Anzahl von Möglichkeiten, den Lack auf einen zu lackierenden Gegenstand zu bringen. Am Häufigsten wird aber das Spritzlackieren angewendet. Dabei wird nach der Art der Materialzuführung zur Spritzpistole zwischen folgenden Systemen unterschieden:

Geringere Bedeutung für die Reparaturlackierung hat das elektrostatische Lackieren.


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Fliesssystem (Fliessbecherpistole)

Bei der handwerklichen Lackierung wird überwiegend im Fliesssystem gearbeitet.

Auf der Spritzpistole befindet sich ein Fliessbecher. Die Farbe fliesst durch die Schwerkraft und den hydrostatischen Druck über einen Kanal zur Düse. Dort wird die Farbe vom Luftstrom weitertransportiert. Ausserdem hat die strömende Luft eine Saugwirkung auf die Lackfarbe im Farbkanal. Beim Austritt aus der Pistolendüse wird das Farb-Luft-Gemisch durch die Entspannung fein zerstäubt. Mit Hilfe besonderer Bohrungen an der Luftkappe, die den Farbstrahl hinter der Düsenaustrittsöffnung mit einem Luftstrahl anblasen, kann die Form des Farbstrahls beeinflusst werden.

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Saugsystem (Saugbecherpistole)

Hauptunterscheidungsmerkmal zum Fliesssystem ist die Becheranordnung. Beim Saugsystem ist der Farbbecher der Spritzpistole hängend als Saugbecher angeschraubt. Die Saugwirkung der Druckluft beim Düsenaustritt befördert die Farbe vom Becher zur Düse. Die Saugbecher haben meist ein grösseres Volumen als die Fliessbecher.

Beim Fliessbecher liegt der Geräteschwerpunkt infolge des Gewichts der Lackfarbe über der Hand und verleiht deshalb der Pistole ein labiles Gleichgewicht. Dagegen zwingt der tiefliegende Schwerpunkt des Saugbechers die Spritzpistole in eine stabile senkrechte Lage.

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Drucksystem (Drucktank)

Die Lackfarbe befindet sich beim Drucksystem in einem Druckbehälter. Das kann ein an die Pistole geschraubter Druckbecher, ähnlich dem Fliessbecher beim Fliesssystem, oder ein an die Pistole geschraubter Saugbecher beim Saugsystem sein. Der Farbbehälter ist aber in der Regel ein separater Druckkessel, der über eine Schlauchleitung mit der Spritzpistole verbunden ist. Das Spritzmaterial wird mit Druckluft zur Pistole und zur Spritzdüse gedrückt. Das Spritzmaterial wird dann von der die Spritzpistole durchströmenden Druckluft an der Düse zerstäubt und zum Lackierobjekt weiterbefördert.

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Drucktank

Druckumlaufsystem

Das Druckumlaufsystem ist ein erweitertes Drucksystem. Das Spritzmaterial wird von einer Pumpe stetig gefördert und so in Umlauf gehalten, damit es sich nicht entmischen kann. Das nicht benötigte Material läuft in den Farbbehälter zurück. Dieses Verfahren ist besonders für Anlagen mit separatem Farbbehälter, ähnlich den Druckkesseln, angebracht. Insbesondere dann, wenn zwischendurch Lackierpausen mit der betreffenden Lackierpistole eingelegt werden müssen. In der langen Schlauchleitung beim reinen Drucksystem besteht die Gefahr der Entmischung der einzelnen Lackbestandteilen. Im Druckumlaufsystem dagegen bleibt das Spritzmaterial immer gut gemischt. Weil auch hier jeweils grössere Mengen des gleichen Materials verarbeitet werden sollten, werden solche Anlagen in der Fahrzeugreparatur-Lackierung selten eingesetzt.

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Airless-System

Airless-Spritzen bedeutet spritzen mit Materialdruck. Für die Zerstäubung ist keine Druckluft erforderlich. Das Spritzmaterial steht vor der Düse unter einem sehr hohen Staudruck. Den hohen Druck für den Farbauftrag erzeugt eine elektromotor- oder druckluftgetriebene Pumpe am Farbkessel. Sie führt das Spritzmaterial durch einen Hochdruckschlauch der Spritzpistole zu. Um das Pulsieren beim Spritzvorgang zu vermeiden, arbeiten die Kolbenpumpen doppelhubig, d.h. sowohl in der Abwärtsbewegung als auch bei der Aufwärtsbewegung wird Materialdruck ausgeübt. In der Pistole verschliesst eine Farbnadel die Düsenöffnung. Beim Druck auf den Abzugbügel öffnet sich die Düse und das Material wird herausgepresst. Da der Druck ausserhalb der Düse plötzlich abfällt, wird das Material dadurch zerstäubt. Der Materialdurchlauf kann in der Regel nur durch Auswechseln der Düsen verändert werden. Dieses Verfahren ist zum raschen Auftragen von Lackierungen aller Art geeignet. Diese Voraussetzungen sind beispielsweise beim Lackieren von Grossfahrzeugen oder zum Produktionsspritzen grosser Serien in der Industrie gegeben.

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Elektrostatisches System

Beim elektrostatischen Lackieren werden Werkstück und Lackmaterial gegenpolig elektrisch aufgeladen. Dadurch werden die Lacktröpfchen zum Werkstück hingezogen. Das Material wird beim Verlassen der Pistole negativ aufgeladen. Da alle Materialteilchen die gleiche Ladung haben, stossen sich die Teilchen im Flug voneinander ab und lagern sich dann gleichmässig auf dem gegenpolig geladenen Werkstück ab. Durch den so genannten „elektrostatischen Umgriff“ fliegen die Teilchen nicht am Objekt vorbei, sondern erreichen bei kleineren Werkstücken auch die Rückseite. Dies ist möglich, weil das elektrostatische Feld rund um das Werkstück vorhanden ist. Die Vorteile des elektrostatischen Verfahrens sind in der geringen Spritznebelbildung zu sehen. Daraus ergibt sich auch ein geringerer Materialverbrauch. Die Zerstäubung des Spritzgutes erfolgt wie gewohnt durch Druckluft oder Materialdruck.

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